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Fakultät für Physik und Astronomie

Quantenbits in Nanodrähten

Physiker-Team
Quantenbits sind die Grundlage für superschnelle Quantencomputer. Einen entscheidenden Hinweis für deren Entwicklung hat jetzt ein Physiker-Team aus Deutschland geliefert

Majorana-Teilchen gelten als vielversprechende Kandidaten für stabile Quantenbits. Ihre Herstellung ist eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung eines Quantencomputers. Bereits vor knapp 80 Jahren hatte der italienischen Physiker Ettore Majorana Teilchen vorhergesagt, die zugleich ihr eigenes Antiteilchen sind. Doch erst in den letzten Jahren gelang es, die Existenz dieser Majoranas näherungsweise experimentell zu belegen.

Energie-Impuls-Relation mit Lücke
Quantisierte Leitfähigkeit in Abhängigkeit von der Gatter-Spannung. Die Signatur für die Existenz der helikalen Energielücke ist der Einbruch des Leitwertes in der ersten Leitwertstufe (oranger Kreis). Die Skizze oben links zeigt die Energie-Impuls-Relation mit der helikalen Energielücke in der Mitte. Die Elektronenbewegungsrichtung und die Orientierung des Spins sind fest verkoppelt.
(Grafik: Forschungszentrum Jülich)

Hinweis auf neuartigen Kopplungsmechanismus

Experimentatoren des Forschungszentrums Jülich und der Universität Duisburg-Essen ist nun gemeinsam mit Theoretikern der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit einem bahnbrechenden Experiment ein entscheidender Schritt gelungen, um Majorana-Teilchen kontrollierter herzustellen. In einem sogenannten Halbleiternanodraht haben sie Hinweise auf einen neuartigen Kopplungsmechanismus und eine starke Spin-Bahn-Kopplung entdeckt. Letztere gilt als wichtige Voraussetzung, um Quantenbits mithilfe von Majorana-Teilchen in Nanodrähten zu erzeugen. In der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Physics stellen die Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Arbeit vor.

Nanodrähte sind extrem dünne Halbleiterstrukturen, in denen die Bewegung der Elektronen auf eine Raumrichtung beschränkt ist. Bei tiefen Temperaturen lassen sich die Elektronen darin kollektiv anregen. Ähnlich wie in einer Welle nehmen sie dann voneinander abhängige Zustände ein. Doch das allein reicht nicht aus: „Um in einem derartigen System Majorana-Teilchen zu erzeugen, wird ein spezielles Halbleitermaterial mit starker Spin-Bahn-Kopplung benötigt – in dem also die Bewegungsrichtung der Elektronen stark an ihren Spin gekoppelt ist“, erklärt Professor Björn Trauzettel, Inhaber des Lehrstuhls für Theoretische Physik IV an der Universität Würzburg.

Elektronenmikroskopie eines InAs-Nanodrahts
Eingefärbte elektronenmikroskopische Aufnahme eines InAs-Nanodrahtes. Mit Hilfe der Gatter-Finger kann der elektrische Transport im Nanodraht lokal gesteuert werden.
(Grafik: Forschungszentrum Jülich)

Der Spin bestimmt die Bewegungsrichtung

Durch das Anlegen eines äußeren Magnetfelds könne in diesem Material ein Zustand hervorgerufen werden, in dem sich Elektronen mit einer Spinorientierung in die eine und solche mit der entgegengesetzten Spinorientierung in die andere Richtung bewegen, so Trauzettel weiter. Ein solcher Zustand gehe – theoretisch – mit einer sogenannten helikalen Energielücke einher. Sprich: Er wirkt sich auf die Energieverteilung der Elektronen aus, was sich experimentell anhand der elektrischen Leitfähigkeit ablesen lässt.

In der Vergangenheit konnten Forscher in einem Nanodraht-System in Kombination mit einer supraleitenden Elektrode bereits Hinweise auf Majorana-Teilchen finden. Der Nachweis der helikalen Energielücke als wichtige Voraussetzung dafür stand allerdings noch aus. Mit einem Indium-Arsenid-Nanodraht konnten die Forscher aus Jülich und Würzburg die Existenz dieser speziellen Energielücke nun eindeutig aufzeigen. Dabei stießen sie zudem auf einen neuartigen Rückstreu-Mechanismus, der diese Eigenschaft auch ohne das Anlegen eines äußeren magnetischen Felds – aufgrund von Wechselwirkungseffekten – erzeugen kann.

Kooperation am Virtuellen Institut für topologische Isolatoren

Die neue Entdeckung ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit im Virtuellen Institut für topologische Isolatoren VITI. Gegründet im Juli 2012 arbeiten dort Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich, der RWTH Aachen, des Shanghai Institute of Microsystem and Information Technology sowie der Universität Würzburg zusammen. Würzburger Vertreter sind die Physiker Professor Laurens Molenkamp und Professor Björn Trauzettel.

Koordiniert wird das Virtuelle Institut von Professor Thomas Schäpers vom Forschungszentrum Jülich; die Helmholtz-Gemeinschaft fördert das Vorhaben über fünf Jahre hinweg mit jährlich 600.000 Euro; 300.000 Euro pro Jahr bringen die Partner auf.

Neuartige Materialien mit großem Potenzial für Anwendungen in der Informationstechnik stehen im Fokus der Forschung am VITI.

 

Signatures of interaction-induced helical gaps in nanowire quantum point contacts. S. Heedt, N. Traverso Ziani, F. Crépin, W. Prost, St. Trellenkamp, J. Schubert, D. Grützmacher, B. Trauzettel, Th. Schäpers. Nature Physics (published online 20 March 2017), DOI:10.1038/NPHYS4070 www.nature.com/nphys/journal/vaop/ncurrent/full/nphys4070.html

 

Text: Pressestelle Universität Würzburg

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