Materialien zur Physikfortbildung am 6.4.2000
W. Reusch, Physikdidaktik, Uni Würzburg
 

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Aktuelle Forschung - Impulse für zeitgemäßen Unterricht
Die Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Würzburg und die Bezirksfachgruppe M/Ph in Unterfranken richteten am Donnerstag, 6.4.2000 eine ganztägige Fortbildungsveranstaltung an der Universität Würzburg aus. Dabei verstanden es die Referenten in didaktisch hervorragend aufbereiteten Vorträgen, schwierige Themen verständlich zu präsentieren und deren Relevanz und Umsetzung in einem zeitgemäßen Physikunterricht aufzuzeigen.

Vorträge:

Prof. Dr. W. Kinzel
Eröffnung der Tagung und Vortrag zum Thema: Physik 2000
Zusammenfassung des Vortrags

 

Prof. Dr. J. Fricke
Energietechnik, ein lohnendes Arbeitsgebiet für Physiker: Energieeinsparung und Nutzung regenerativer Energien.
Arbeitsgebiete Prof.Dr.Fricke
Bayerisches Zentrum für angewandte Energieforschung

 

Prof. Dr. L. Molenkamp
Quantencomputer und Spin Injection

Vortragsfolien englisch
(pdf-file, 2 MB)

 

Dipl.-Phys. B. Kiefer
Femtochemie: Revolution durch Evolution

Die Femtochemie erforscht den Ablauf chemischer Reaktionen auf der ultraschnellen Zeitskala weniger Femtosekunden, der Zeitskala der Atombewegungen. Mit einer neuartigen, selbstlernenden Methode speziell geformter Femtosekunden-Laserpulse ist es seit kurzem möglich, diese Abläufe auf molekularer Ebene gezielt zu steuern. Dadurch wird es möglich, neue chemische Substanzen mit erhöhter Effizienz unter gleichzeitiger Verringerung unerwünschter Nebenprodukte herzustellen.

Vortragsübersicht mit Abbildungen
(pdf-file, 610 kB)

Femto-Welt - Steuerung chemischer Reaktionen mit Femtosekunden-Laserpulsen (JAVA-Applikation)

 

Dr. E. Arrigoni
Hochtemperatur-Supraleitung: Strom ohne Widerstand und schwebende Magneten

Nach dem Ohmschen Gesetz ist der Ladungstransport in einem Metall immer von einem Widerstand begleitet, der zu Energieverlusten führt. 1911 entdeckte Kamerlingh Onnes, dass beim Abkühlen von Quecksilber unter 3 K dieser Widerstand abrupt verschwand. Dieses Verhalten wurde in der Folgezeit auch bei vielen anderen Metallen gefunden, die dafür den Namen Supraleiter bekamen.

Für die Anwendung gestatten diese Supraleiter die Realisierung verschiedener Apparate, die inzwischen als selbstverständlich gelten. Im medizinischen Bereich kann als Beispiel die Computer-Tomographie genannt werden, die sehr starke Magnetfelder benötigt. Weitere Anwendungen stellen Hochpräzisions-Messapparaturen, sowie Schaltelemente im Bereich der Mikroelektronik dar.

Ein großer Nachteil für die technische Nutzung der Supraleiter stellt die sehr niedrige Temperatur dar (ungefähr 20 K), auf die diese Materialien abgekühlt werden müssen. Dafür ist ein sehr großer Aufwand zu betreiben, da als Kühlmittel nur das teure Helium verwendet werden kann.

Ein bedeutender Durchbruch erfolgte Ende der 80er Jahre, als eine Reihe von Verbindungen entdeckt wurde, die auch bei höheren Temperaturen (bis 130 K, daher auch der Name "Hochtemperatur-Supraleiter") Supraleitung aufweisen. Dadurch kann die Kühlung nun durch den günstigeren flüssigen Stickstoff durchgeführt werden.

Zusätzlich zur Supraleitung zeigen diese neuen Materialien eine Reihe interessanter Eigenschaften. Die wichtigste ist der Antiferromagnetismus, der möglicherweise auch eine wichtige Rolle in der Entstehung der Supraleitung spielt. In dieser Phase sind die Elektronen auf den Kupferplätzen wie kleine Magnete angeordnet, die aber abwechselnd in entgegengesetzte Richtung zeigen.

Seit Entdeckung der Hochtemperatursupraleitung werden auf der ganzen Welt viele Experimente und Rechnungen mit dem Ziel durchgeführt, eine umfassende Theorie zu entwickeln, die die verschiedenen Eigenschaften dieser Materialien erklären kann.
Die Arbeitsgruppe um Prof. W. Hanke gehört dabei zu den internationalen Experten im Bereich der Computer-Simulationen: Für verschiedene Modelle werden die elektronischen Eigenschaften dieser Materialien getestet und mit experimentellen Ergebnissen verglichen. Hier ergab sich erstmals ein klarer numerischer Beleg für den Zusammenhang zwischen Supraleitung und Antiferromagnetismus.

Vortragsfolien
(pdf-file, 1,4 MB)

 

Dr. J. Küblbeck
Bildung einer Quantentheorie im Physikunterricht der Oberstufe

In vielen Lehrplänen ist für die Physik des 20.Jahrhunderts nur wenig Raum vorgesehen, im Abitur findet man kaum Aufgaben dazu. Wegen der überragenden Bedeutung der Quantenphysik für fast alle Gebiete der modernen Physik und für unser modernes Weltbild muss die Quantenphysik über die dualistische Beschreibung von einzelnen Experimenten deutlich hinausgehen. Dies bedeutet die Grundprinzipien anhand eines einheitlichen Modells deutlich werden zu lassen:
„Ganzheitlichkeit der Messung„
„Komplementaritätsprinzip„
„Existenz von Mischzuständen„
„Beschränkung auf Wahrscheinlichkeitsaussagen„.

Dabei stellt sich die Frage: Wie kann das mit Schulmathematik in knappem zeitlichen Rahmen unterrichtet werden?
Folgende didaktische Mittel helfen:
1.Anstelle von komplexen Zahlen (oder gar Hilbertraum) wird mit dem Zeigerformalismus nach Feynman und der Grundregel der Quantenphysik gearbeitet.
2.Die Methode der (Theorie-)Modellbildung wird den Schülern schon vorher vertraut gemacht und hier explizit und pragmatisch angewandt.
3.Die Grundprinzipien der Quantenphysik können besonders einfach anhand des Doppelspalt-Gedankenexperiments mit und ohne Messung verdeutlicht werden.
Wegen 1. und 2. ist es für den hier dargestellten Unterricht hilfreich, erstens den Zeigerformalismus schon (bei Interferenz und Beugung von Licht) eingeführt zu haben und zweitens mit den Schülern explizit Theoriemodelle und ihre Bedeutung thematisiert zu haben.

Schulexperimente zur Beobachtung einzelner Quanten stehen leider nicht zur Verfügung. Man kann aber für kontinuierliches Licht einen Quantenradierer bauen, der mit der im Unterricht gebildeten Quantentheorie beschrieben werden kann.

Vortragsfolien
(pdf-file, 330 kB)

Ergänzende Links:
Projekte zur Quantenphysik für Schulen (Didaktik an der LMU-München):

Quantenmechanische Simulation des Doppelspalts (das im Vortrag verwendete Programm)

Münchner Internetprojekt zur Lehrerfortbildung in Quantenmechanik

 


 

Führungen:

Ergänzend zu den Vorträgen wurden auch Führungen durch verschiedene Labors mit aktuellen Forschungsprojekten geboten. Die Themenvielfalt reichte von "Femtochemie: Revolution durch Evolution", "Rastertunnelmikroskopie - Atome sichtbar gemacht", "Oberflächenspektroskopie bei höchster Ortsauflösung", "Quantentransport in Nanostrukturen", "Messung magnetischer Hysteresekurven mit Hilfe des magnetooptischen Kerr-Effekts" und "Magnetische Kernresonanz in vivo " bis zur Besichtigung des europaweit einmaligen Mikrostrukturlabors zur Herstellung von Halbleiternanostrukturen und Halbleiterlasern.


Auf Wunsch vieler Teilnehmer wurde zusammen mit den Referenten eine Materialiensammlung mit Vortragszusammenfassungen und Folienvorlagen erstellt. Alle Teilnehmer der Tagung haben mittlerweile ein Materialienpaket mit einer CD-ROM mit den im Internet verfügbaren files (der Folien) und zusätzlichen gedruckten Materialien erhalten.

Die CD-ROM sowie ausführliche Informationen zu Führungen in Labors der Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Würzburg sind weiterhin für Interessenten auf Anfrage verfügbar (email:reusch@physik.uni-wuerzburg.de).
Die gedrucken Materialien zu den Vorträgen sind zum Teil vergriffen.

 

 

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 Letzte Änderung: 02/10/2000