
Stolzenberger, Christoph
Physik und ihre Didaktik
Universität Würzburg, Physikalisches Institut,
Lehrstuhl für Physik und ihre Didaktik
Campus Hubland Nord (Physik West)
Emil-Hilb-Weg 22
97074 Würzburg
Zimmer: 00.009
Tel.: +49 (0931) 31-88132
Fax.: +49 (0931) 31-85785
Email.:
cstolzenberger@physik.uni-wuerzburg.de
Forschungsinteresse:
Die Wirksamkeit verschiedenster Lernumgebungen ist ein wichtiges Untersuchungsgebiet fachdidaktischer Lehr-Lern-Forschung. In jüngster Zeit konzentriert man sich dabei zunehmend auf Lernumgebungen, die moderat konstruktivistisch orientiert sind.
Gleichzeitig erhält im Zuge der Bildungsreform, welche sich abwendet von einer reinen Input-Ausrichtung durch Lehrpläne und Stoffsammlungen, die Output-Orientierung von Unterricht einen höheren Stellenwert. Diese setzt sich weniger die Fachinhalte, als die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen zum Ziel:
"Im herkömmlichen Fachunterricht werden Schlüsselqualifikationen meist als mehr oder weniger zufällige Nebenprodukte eines faktenvermittelnden, lehrerzentrierten Frontalunterrichts erworben. Daher gewinnen Unterrichtsmethoden und Organisationsformen an Bedeutung, die die planmäßige Vermittlung von Schlüsselqualifikationen betonen. Fächerübergreifender Unterricht, Projektunterricht und andere handlungsorientierte Unterrichtskonzepte, in denen selbstverantwortliches und selbstständiges Lernen und Arbeiten in Gruppen gefördert werden." (Dethlefs-Forsbach, 2005)
Die im Zuge der Reform der bayerischen Oberstufe neu eingeführten Wissenschaftspropädeutischen (W-)Seminare und die Projektseminare zur Studien- und Berufsorientierung (P-Seminare) sind Teil der bayerischen gymnasialen Oberstufe und erstrecken sich dort über drei Halbjahre. Jede/r Schüler/in ist verpflichtet je ein W- und ein P-Seminar zu wählen. Diese bieten in ihrer Konzeption die Möglichkeit eine solche Organisationsform mit entsprechenden Unterrichtsmethoden - kurz eine wie oben beschriebene Lernumgebung - zu sein, da insbesondere durch das Fehlen eines Lehrplans und der fächerübergreifenden, projektartigen Konzeption der Seminare sich für die Lehrkräfte ein großer Handlungsspielraum zu deren Ausgestaltung ergibt.
Durch die Kompetenz-Ausrichtung der Seminare sind mit diesen - gerade im Vergleich zu traditionellem Unterricht - andere Lernziele verknüpft, d.h. es erfordert notwendigerweise ebenfalls andere Lehr-Lern-Szenarien, als man sie aus dem bisherigen Oberstufen-Unterricht kennt:
"Man wird sich also (vom erwarteten Output ausgehend) Schritt für Schritt fragen müssen, (...) wie demzufolge die Lerngelegenheiten auszusehen haben, sodass ein entsprechender Kompetenzzuwachs erfolgen kann." (Lersch, 2007)
Eine Möglichkeit, um Merkmale des Unterrichts mit entsprechenden Wirkungen auf Seite der Schülerinnen und Schüler graphisch darzustellen, sind Prozess-Produkt-Modelle, wie z.B. das Angebots-Nutzungs-Modell von Helmke, welches später zur theoretischen Einordnung dient.
Die hier vorgestellte Studie versucht nun Strukturmerkmale der Seminare - als Einflussgrößen von Unterrichtsqualität - mit dem Kompetenz-Erleben der Schülerinnen und Schüler in Beziehung zu setzen, welches als notwendig für den Aufbau von Kompetenzen angesehen werden kann. Der Fokus liegt damit auf Seminar-Merkmalen, welche durch die Seminarlehrkräfte relativ direkt beeinflussbar sind. Einflussfaktoren wie die Lehrperson selbst bzw. Lehrexpertise, die Unterrichtsquantität oder das Klassenklima werden im Rahmen dieser Studie nicht untersucht.
Das Kompetenz-Erleben der Schülerinnen und Schüler wird bezüglich der Unterrichts-Ziele erhoben, welche für die Seminare von Seiten des Ministeriums festgelegt wurden.
Die zentrale Fragestellung der empirischen Studie ergibt sich somit wie folgt:
"Welchen Einfluss haben verschiedene didaktische Merkmale der W- und P-Seminare auf die Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler bezüglich des Erreichens der für sie vom Kultusministerium festgelegten Unterrichtsziele?"
Im Rahmen dieser Fallstudie wurden insgesamt sieben W- bzw. P-Seminare begleitet. Dadurch war es neben der soeben beschriebenen empirischen Studie auch möglich, gewinnbringende Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Seminaren und der Universität zu erproben und zu evaluieren.