Geschichte

Forschungstradition an der Fakultät von Röntgen, Wien, Starck bis von Klitzing

Die Würzburger Physik kann auf eine lange und ehrwürdige Tradition zurückblicken. Bereits 1749 wurde ein Lehrstuhl für Experimentalphysik eingerichtet. Vorher wurde die Physik im Rahmen der Philosophischen Fakultät betrieben. Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts war ein berühmter Gelehrter in Würzburg tätig, der sich mit physikalischen Problemen befasste: Pater Anastasius Kircher.

Die moderne Physik hielt Mitte des 19. Jahrhunderts mit Rudolf Clausius, einem Begründer der Thermodynamik, in Würzburg ihren Einzug. Auch seine Nachfolger waren renommierte Gelehrte. Die Physik war ursprünglich in der Alten Universität an der heutigen Domerschulstraße untergebracht. Ende des Jahrhunderts waren die Arbeitsbedingungen aber nicht mehr zumutbar und 1879 wurde von Prof. Friedrich Kohlrausch ein neues Institut am damaligen Pleicherring konzipiert und realisiert. Es handelte sich um eines der modernsten Institute in Europa. Nachfolger von Kohlrausch wurde 1888 Wilhelm Conrad Röntgen, der schon vorher als Assistent am Physikalischen Institut gewirkt hatte. Seine aufregende Entdeckung der X-Strahlen am 08. November 1895 machte die Würzburger Physik mit einem Schlag weltberühmt. Röntgens Nachfolger wurde 1900 Wilhelm Wien, der für seine Arbeiten zur Wärmestrahlung 1911 den Nobelpreis für Physik erhielt. Ihm folgte 1920 der Nobelpreisträger Johannes Stark, der Pionierarbeit auf dem Gebiete der Atomphysik geleistet hatte. Nach seinem Weggang 1922 gelang es nicht, einen Nachfolger mit hoher Reputation zu finden. Die Entwicklung der Würzburger Physik stagnierte eine Zeitlang.

Nach der Zerstörung des Institutes am Röntgenring im Jahr 1945 war der Aufbau zunächst sehr mühsam. In den 60er Jahren begann jedoch ein gezielter Ausbau der Würzburger Physik, es wurden 3 neue Lehrstühle für experimentelle, angewandte und theoretische Physik geschaffen. In den 70er Jahren kam ein weiterer Lehrstuhl für experimentelle Physik und einer für Didaktik der Physik hinzu. Das Physikalische Institut wurde als Department organisiert und 1968 wurde mit der Schwerpunktbildung in Richtung Festkörperphysik begonnen. Insbesondere wurde die Halbleiterphysik etabliert, die in Würzburg bereits Tradition hatte. Die Entwicklung fand 1985 einen Höhepunkt in der Verleihung des Nobelpreises an Klaus von Klitzing für die Entdeckung des Quanten-Hall-Effektes.

Die Räume am Röntgenring erwiesen sich bald als zu klein, ein Neubau des Physikalischen Institutes am Hubland wurde 1987 vollendet. Im Rahmen des Ausbaus der Fakultät wurden neue Lehrstühle für Technische Physik, für Biophysik und für Computational Physics geschaffen. Die Räume des Instituts wurden durch ein Mikrostrukturlabor erweitert, in dem neuartige Halbleiterstrukturen erforscht werden. Es wurde ein Anbau für die Biophysik geschaffen, der es gestattet, die Kernspintomographie weiterzuentwickeln. Der Lehrstuhl für Computational Physics ist der erste seiner Art in Deutschland.

1991 wurde das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung e.V. gegründet, das eng mit unserer Fakultät verbunden ist. So haben unsere Studenten z.B. die Möglichkeit, neuartige Materialien zur Wärmedämmung zu untersuchen.